Recherchierte Ratgeber auf Basis von Studien und Herstellerangaben · Werbehinweis: Wir erhalten ggf. Provisionen.So arbeiten wir →

Nitrit und Nitrat im Aquarium: Werte, Ursachen, was sofort hilft

Aquarium Nitrit senken: Erfahre, wie du Nitrit und Nitrat sicher misst, Ursachen erkennst und Werte mit Wasserwechsel, Pflanzen und Pflege reduzierst.

Was sind Nitrit (NO2) und Nitrat (NO3)?

Nitrit (NO2) ist ein giftiges Zwischenprodukt im Stickstoffkreislauf, Nitrat (NO3) das deutlich weniger giftige Endprodukt. Ausscheidungen der Fische, Futterreste und abgestorbene Pflanzenteile liefern Ammonium. Filterbakterien wandeln es zu Nitrit um, eine zweite Gruppe von Mikroorganismen macht daraus Nitrat [2]. Mehr zu den Abläufen in der Startphase erfährst du im Ratgeber Aquarium einfahren.

Achte beim Messen genau auf die Beschriftung deines Tests. Viele Tests geben Nitrit als NO2 und Nitrat als NO3 an. In der Fachliteratur und bei manchen Tests steht dagegen nur der Stickstoffanteil: NO2-N (Nitrit-Stickstoff) oder NO3-N (Nitrat-Stickstoff). Diese Werte lassen sich nicht 1:1 vergleichen. Laut Merck Veterinary Manual entspricht 1 mg/l NO2-N etwa 3,3 mg/l Nitrit (NO2), und 10 mg/l NO3-N entsprechen rund 44 mg/l Nitrat (NO3) [1]. Verwechselst du die Angaben, liegst du um etwa den Faktor 3,3 (Nitrit) beziehungsweise 4,4 (Nitrat) daneben.

Im eingefahrenen Becken wird Nitrit so schnell weiterverarbeitet, dass es mit üblichen Tests nicht nachweisbar sein sollte; das Merck Veterinary Manual nennt als Normalwert 0 mg/l [1]. Nitrat dagegen reichert sich mit der Zeit an, deshalb braucht es regelmäßige Pflege.

Woran erkennst du zu viel Nitrit?

Sicher erkennst du zu viel Nitrit nur mit einem Wassertest [1]. Nitrit gelangt über die Kiemen ins Blut und verwandelt den roten Blutfarbstoff in Methämoglobin, das keinen Sauerstoff mehr transportieren kann [1] [3]. Die Fische geraten so in Sauerstoffnot, auch wenn genug Sauerstoff im Wasser ist.

Entsprechend ähneln die Anzeichen denen von Sauerstoffmangel. Beschrieben werden in der tiermedizinischen Fachliteratur Luftschnappen an der Wasseroberfläche, Aufenthalt an sauerstoffreichen Stellen (zum Beispiel am Filterauslass), Lethargie und Farbveränderungen [1] [4]. Bei schweren Vergiftungen beschreibt die Fachliteratur braune Kiemen [1] [3]; am lebenden Zierfisch ist das für Laien aber kaum sicher zu erkennen.

Das Problem: Alle diese Zeichen passen ebenso zu echtem Sauerstoffmangel oder zu Kiemenkrankheiten, etwa durch Parasiten [1]. Fast alle Daten zu Nitritvergiftungen stammen aus der Aquakultur und aus tiermedizinischen Handbüchern, nicht aus Studien an Zierfischen im Heimaquarium. Eine Diagnose auf Verdacht ist deshalb nicht möglich. Zeigen deine Fische Krankheitsanzeichen – mit oder ohne erhöhten Nitritwert –, hol dir Rat bei einer Tierärztin oder einem Tierarzt mit Fischerfahrung. Weitere Anhaltspunkte findest du in den Ratgebern Fischkrankheiten erkennen und Sauerstoff im Aquarium.

Was hilft sofort gegen Nitrit?

Sofort helfen zwei Schritte: weniger oder gar nicht füttern und einen Teil des Wassers wechseln [2]. Setze die Fütterung aus oder verringere sie stark. Aus Futter und Ausscheidungen entsteht Ammonium und daraus weiteres Nitrit; ohne neues Futter entlastest du den Filter [2].

Abb. 1 Was bei erhöhtem Nitrit zuerst zu tun ist
  1. Messen Nitrit mit einem Test bestätigen; auf NO2 oder NO2-N achten.
  2. Füttern aussetzen Kein oder nur sehr wenig Futter, bis der Wert sinkt.
  3. Wasser wechseln Einen Teil des Wassers wechseln (Fachleute der University of Florida nennen 25–50 %).
  4. Ursache suchen Filter, Besatz, Fütterung, Medikamente prüfen; Hausregel: täglich nachmessen.

Der zweite Schritt ist ein Wasserwechsel. Die Fachleute der University of Florida (UF/IFAS) nennen einen Austausch von 25 bis 50 % des Wassers [2]. Laut Merck Veterinary Manual lässt sich erhöhtes Nitrit durch Wasserwechsel schnell korrigieren; bei Aquarien gehört die Filterwartung dazu [1]. Wichtig ist die Rechnung dahinter: Ein Wasserwechsel verdünnt nur. Wechselst du 25 % des Wassers, bleiben 75 % des Nitrits im Becken. Misst du zum Beispiel 2,0 mg/l und tauschst 50 % gegen nitritfreies Wasser, liegt der Wert danach bei 1,0 mg/l. Rechnerisch kann deshalb ein weiterer Wechsel am Folgetag nötig sein; untersucht ist das für Aquarien nicht. Tipps zur Durchführung findest du unter Wasserwechsel im Aquarium.

Behalte außerdem den Sauerstoff im Blick: Die Bakterien, die Nitrit abbauen, sind auf Sauerstoff angewiesen [2]. Eine bewegte Wasseroberfläche gilt in der Praxis als hilfreich; eigens untersucht ist das nicht.

In der Fischzucht wird ein weiterer Mechanismus genutzt: die Zugabe von Chlorid, meist als Kochsalz. Chlorid konkurriert an den Kiemen mit Nitrit um die Aufnahme und bremst so, wie viel Nitrit in den Körper gelangt [5] [3]. Eine Menge nennen wir bewusst nicht. Wie Pflanzen, Garnelen und andere Wirbellose oder Weichwasserfische in deinem Becken auf Salz reagieren, hängt von den Arten ab; belastbare Daten für Heimaquarien haben wir dazu nicht gefunden. Besprich den Einsatz von Salz deshalb mit fachkundigen Personen oder deiner Tierarztpraxis.

Wie lange dauert es, bis Nitrit sinkt?

Das hängt davon ab, ob du ein neues Becken einfährst oder ob in einem eingefahrenen Becken plötzlich ein Problem auftritt.

Im neuen Becken muss sich die Biologie erst entwickeln. In Versuchsbecken einer Studie von 1998 stieg Nitrit ab etwa Tag 12, der Nitritpeak lag um Tag 21 bis 22, und um Tag 26 beziehungsweise Tag 38 war das Nitrit wieder verschwunden [6]. In einer Untersuchung von drei Heimaquarien waren Ammoniak und Nitrit in zwei Becken nach drei Wochen, im dritten nach acht Wochen nicht mehr nachweisbar [7]. Die Fachleute der UF/IFAS nennen für einen neuen Biofilter sechs bis acht Wochen [2].

Vorbei ist der Nitritpeak, wenn Nitrit über mehrere Messungen an verschiedenen Tagen nicht mehr nachweisbar ist und gleichzeitig der Nitratwert steigt – so zeigte es sich in den Messreihen [6] [7]. Dann arbeiten beide Bakteriengruppen.

Für eingefahrene Becken, in denen Nitrit nach einer Störung steigt – etwa nach einer zu gründlichen Filterreinigung oder einem Medikament, das Bakterien schädigt –, gibt es keine Studien zur Dauer (nicht belegt). Dass es schneller geht als bei einem Neustart, weil oft noch ein Teil der Bakterien vorhanden ist, ist plausibel, aber nicht untersucht. Unsere Hausregeln: Im eingefahrenen Becken sollte Nitrit nicht nachweisbar sein. Steigt es nach einer Störung messbar an, teste täglich, bis es wieder nicht mehr nachweisbar ist.

Erholen sich Fische von einer Nitritvergiftung?

Hinweise aus der Fischzucht sprechen dafür, dass sich Fische erholen können, wenn die Belastung rechtzeitig endet; Langzeitdaten zu Zierfischen gibt es nicht.

In nitritfreiem Wasser bildet sich das Methämoglobin innerhalb von 24 bis 72 Stunden wieder zu normalem Blutfarbstoff zurück [5]. In einem Fallbericht aus einer Tilapia-Anlage (elf untersuchte Tiere) fiel der Anteil des veränderten Blutfarbstoffs binnen eines Tages von etwa 21 % auf etwa 10 %, nachdem die Betreiber unter anderem Frischwasser zugegeben hatten; ab Tag 7 fraßen die Tiere wieder [3].

Die Erholung hängt aber stark von der Schwere der Vergiftung ab. In einem Fallbericht über Welse in einer neuen Kreislaufanlage (rund 3.000 Tiere), bei denen der Methämoglobin-Anteil bei rund 87 % lag, überlebte nur etwa ein Viertel des Bestands [3]. Ob Zierfische nach einer überstandenen Vergiftung Spätschäden davontragen, ist nicht belegt. Für Wasserzusätze, die eine Nitritvergiftung heilen sollen, haben wir keine Belege gefunden. Bei kranken Tieren wende dich an eine Tierärztin oder einen Tierarzt mit Fischerfahrung.

Woher kommt zu viel Nitrit – und warum kommt es wieder?

Zu viel Nitrit entsteht, wenn im Becken mehr Ammonium anfällt, als die Bakterien im Filter zu Nitrat umbauen können. Bleibt die Ursache bestehen, kann der Wert nach jedem Wasserwechsel wieder steigen; als Wiederholungsmuster untersucht ist das nicht.

Tiermedizinische und biologische Fachquellen nennen diese Ursachen:

  • Zu viel Futter: Überfütterung liefert mehr Ammonium, als der Biofilter verarbeiten kann [1].
  • Ausgefallener Biofilter: Sterben die Filterbakterien ab, staut sich Nitrit [1].
  • Zu früher Besatz: Neue Becken werden oft zu früh und zu stark besetzt, bevor genug Bakterien da sind [1] [3].
  • Zu viele Fische: mehr Tiere, als Volumen und Filter verkraften [3].
  • Medikamente und Chemikalien: Vor allem Antibiotika können die Filterbakterien schädigen [1] [4].
  • Zu gründliche Filterwartung: Kräftiges Auswaschen des Filtermaterials kann die Bakterien entfernen [4].
  • Wasseraufbereitung: Beim Entchloren von Leitungswasser mit Chloramin wird Ammoniak frei [1].
  • Sauerstoffmangel: Die Bakterien brauchen Sauerstoff; fehlt er, bremst das den Abbau [2].

Aus der Praxis, aber nicht durch Quellen belegt: Ein längerer Stromausfall mit stehendem Filter, ein verstopfter Filter ohne Durchfluss oder ein unbemerkt verendetes Tier im Becken können Nitrit ansteigen lassen. Hausregel: In solchen Fällen gleich messen. Wie du Besatz, Futter und Filter im Gleichgewicht hältst, steht in den Ratgebern Aquarium-Besatz, Fische füttern und Aquarium-Filter.

Nitrat senken: Wasserwechsel, Pflanzen, Filtermedien

Nitrat senkst du vor allem mit regelmäßigem Wasserwechsel. Laut Merck Veterinary Manual entfernen Wasserwechsel, anaerobe (sauerstofffrei arbeitende) Bakterien und lebende Pflanzen Nitrat aus dem Wasser [1]. Der Aquakultur-Fachautor Kubitza nennt ebenso Wasseraustausch, Denitrifikation und Wasserpflanzen [8].

Viele hoffen, mit Pflanzen den Wasserwechsel zu sparen. Pflanzen nehmen Stickstoff auf, doch wie viel Nitrat sie in einem typischen Heimaquarium abbauen, ist nicht belegt; eine kleine Studie in ungefilterten Betta-Becken zeigte nur, dass Pflanzen den Ammoniumanstieg dämpften [9]. Schnell wachsende Pflanzen können nach Praxiserfahrung beitragen, den Wasserwechsel ersetzen sie nicht. Dass Pflanzen einen akuten Nitritanstieg rasch genug senken, ist ebenfalls nicht belegt.

Normale biologische Filtermedien wie Schwämme oder Tonröhrchen bauen Nitrat nicht ab, sondern erzeugen es als Endprodukt [2]. Gegen Nitrat werden spezielle Nitratmedien angeboten. Sie arbeiten nach dem Prinzip der Denitrifikation: Bakterien wandeln Nitrat in sauerstoffarmen Zonen in Stickstoffgas um. Gezeigt ist das Prinzip nur in kleinen Versuchen, etwa in einem 100-Liter-Süßwasserbecken mit Goldfischen [10] und in Meerwasser-Laborversuchen [11]. Studien zu handelsüblichen Nitratmedien im Süßwasser-Heimaquarium ohne Herstellerbeteiligung fehlen; ihre Wirksamkeit in der Praxis ist nicht belegt.

Welcher Nitratwert ist anzustreben? Das Merck Veterinary Manual nennt für Süßwasser als Normalwert unter 20 mg/l [1]. Unsere Hausregel: Halte Nitrat unter 50 mg/l. Dieser Wert orientiert sich am Trinkwasser-Grenzwert in Deutschland [12] und ist kein belegter Sicherheitswert für Wassertiere. Empfindliche Süßwasser-Wirbellose vertragen nach einer Übersichtsarbeit deutlich weniger [13]. Mehr dazu unter Aquarium-Wasserwerte und Aquarium-Pflanzen.

Weitere Fragen

Warum ist mein Nitritwert nach einem Wasserwechsel immer noch zu hoch?

Ein Wasserwechsel verdünnt nur anteilig: Wechselst du 50 % des Wassers gegen nitritfreies Wasser, halbiert sich der Wert. Besteht die Ursache weiter, etwa weil die Nitrit abbauenden Bakterien im Filter zu schwach sind, bildet sich Nitrit nach [3]. Prüfe außerdem, ob dein Test NO2 oder NO2-N anzeigt, denn die Werte unterscheiden sich um etwa den Faktor 3,3 [1].

Kann Leitungswasser Nitrit enthalten?

Ja, das ist möglich. In Deutschland erlaubt die Trinkwasserverordnung bis zu 0,50 mg/l Nitrit, am Ausgang des Wasserwerks höchstens 0,10 mg/l [12]. Bist du unsicher, woher das Nitrit in deinem Becken stammt, teste dein frisches Leitungswasser einfach mit.

Ist Nitrat so giftig wie Nitrit?

Nein, Nitrat ist deutlich weniger giftig [8]. Wie viel Tiere vertragen, liegt je nach Art sehr weit auseinander: Eine Übersicht nennt für die empfindlichsten Süßwassertiere einen Schutzwert von 2 mg/l Nitrat-Stickstoff, Zebrabärbling-Larven zeigten dagegen erst bei 400 mg/l Nitrat-Stickstoff deutliche Schäden [13] [14]. Unsere Hausregel: Nitrat durch Wasserwechsel unter 50 mg/l halten.

Quellen

  1. Francis-Floyd R, Yanong RPE, Petty BD (University of Florida). Environmental Diseases of Aquatic Animals in Aquatic Systems. MSD/Merck Veterinary Manual, Professional Version. Vollrevision Mai 2023, Seite aktualisiert Jun 2026.
  2. Francis-Floyd R, Watson C, Petty D, Pouder DB. Ammonia in Aquatic Systems. UF/IFAS Extension FA16. University of Florida; 1990, rev. 1996, reviewed 2012.
  3. Svobodová Z, Máchová J, Poleszczuk G, Hůda J, Hamáčková J, Kroupová H (2005). Nitrite Poisoning of Fish in Aquaculture Facilities with Water-recirculating Systems. Acta Veterinaria Brno 74(1):129-137.
  4. Palić D. Common Medical Conditions of Ornamental Fish Associated with Water Quality. WSAVA 2015 World Congress Proceedings. Faculty of Veterinary Medicine, LMU München.
  5. Kroupova H, Machova J, Svobodova Z. Nitrite influence on fish: a review. Veterinární medicína. 2005;50(11):461-471.
  6. Hovanec TA, Taylor LT, Blakis A, DeLong EF. Nitrospira-like bacteria associated with nitrite oxidation in freshwater aquaria. Appl Environ Microbiol. 1998;64(1):258-264.
  7. McKnight MM, Szabolcs N, Graham A, Neufeld JD. Microbial community succession of home aquarium biofilters associated with early establishment of comammox Nitrospira. ISME Commun. 2025;5(1):ycaf212.
  8. Kubitza F (2026). Water quality impacts on health and performance of fish and shrimp, Part 3: The nitrogenous compounds ammonia, nitrite and nitrate. Global Seafood Alliance (Responsible Seafood Advocate), Datum auf der Seite: 6. Juli 2026.
  9. Xu Y, Li L, Chen Y, Zhang Y, Niu T, Huang P, Chai L. Effects of Aquatic Plants on Water Quality, Microbial Community, and Fish Behaviors in Newly Established Betta Aquaria. Animals (Basel). 2026;16(2):247.
  10. Tal Y, Nussinovitch A, van Rijn J (2003). Nitrate removal in aquariums by immobilized Pseudomonas. Biotechnology Progress 19(3):1019-1021.
  11. Feng Y, Wang L, Yin Z, Cui Z, Qu K, Wang D, Wang Z, Zhu S, Cui H (2023). Comparative investigation on heterotrophic denitrification driven by different biodegradable polymers for nitrate removal in mariculture wastewater. Frontiers in Microbiology 14:1141362.
  12. Trinkwasserverordnung vom 20. Juni 2023 (TrinkwV), Anlage 2 (Teil I Nitrat; Teil II Nitrit) und Anlage 3 (Indikatorparameter Ammonium).
  13. Camargo JA, Alonso A, Salamanca A. Nitrate toxicity to aquatic animals: a review with new data for freshwater invertebrates. Chemosphere. 2005;58(9):1255-1267.
  14. Learmonth C, Carvalho AP. Acute and chronic toxicity of nitrate to early life stages of zebrafish–setting nitrate safety levels for zebrafish rearing. Zebrafish. 2015;12(4):305-311.