Recherchierte Ratgeber auf Basis von Studien und Herstellerangaben · Werbehinweis: Wir erhalten ggf. Provisionen.So arbeiten wir →

Garnelen im Aquarium: Haltung, Wasserwerte und Futter

Garnelen im Aquarium: was zu Wasserwerten, Kupfer, Futter, Häutung und Nachwuchs belegt ist – und welche Zahlen aus dem Hobby nur Praxiswerte sind.

Rote Zwerggarnelen weiden auf Moos an einer Wurzel im Aquarium
KI-generiertes Symbolbild

Welche Garnelen gibt es im Aquarium?

Im Aquarium sind vor allem Zwerggarnelen der Gattungen Neocaridina und Caridina verbreitet.

Die bekannteste ist die Kirschgarnele, wissenschaftlich als Neocaridina davidi geführt. Wie sie von verwandten Formen abzugrenzen ist, ist in der Forschung umstritten [9]. Häufig gehalten wird auch die Bienengarnele (Caridina cantonensis); belegt ist bei ihr nur der wissenschaftliche Name [10], die Herkunft der vielen Zuchtlinien im Hobby dagegen nicht.

Die Amano-Garnele (Caridina multidentata) unterscheidet sich deutlich von den Zwerggarnelen: Deren Larven wachsen in Salz- bzw. Brackwasser auf [5]. Lebende Tiere sind kein Produkt – deshalb gibt es hier keine Kaufempfehlung. Wähle eine Art, die zu deinem Becken passt.

Welche Wasserwerte brauchen Garnelen?

Belegt sind kaum Werte: Für Ziergarnelen fehlen empirische Toleranzschwellen weitgehend, die meisten Wasserwerte aus dem Hobby sind Praxiswerte.

Ein Review von 2026 fand für Ziergarnelen keine empirischen Toleranzschwellen für Stickstoffverbindungen und nur sehr wenige Studien zum pH-Wert [1]. Zur Temperatur gibt es Laborstudien: Kirschgarnelen pflanzten sich bei 24 und 28 °C fort; bei 32 °C verloren die Weibchen ihre Eier, bei 33 °C laichten sie gar nicht [4] [11]. Angaben zu Härte (GH, KH) oder pH für bestimmte Zuchtformen sind Praxiswerte und nicht belegt – mehr dazu im Ratgeber Wasserwerte im Aquarium.

Das Becken muss eingefahren sein, bevor Garnelen einziehen (siehe Aquarium einfahren). Unsere Hausregel: Rechne mit 4 bis 8 Wochen; fertig ist das Becken erst, wenn Ammonium und Nitrit nicht mehr nachweisbar sind. Laut einem Review können schon vergleichsweise niedrige Nitratwerte empfindliche Süßwasser-Wirbellose schädigen [12]. Unsere Hausregel: Halte Nitrat unter 50 mg/l (angelehnt an den Trinkwasser-Grenzwert), bei Garnelen eher darunter, und wechsle im eingefahrenen Becken alle 1 bis 2 Wochen etwa 25 % des Wassers.

Kupfer: eine belegte Gefahr

Kupferhaltige Mittel sind laut einem Fachreview für Wirbellose tödlich [1]; Kupfer gehört deshalb nicht ins Garnelenbecken.

Wie giftig Kupfer ist, hängt von der Wasserchemie ab: Bei einer verwandten australischen Süßwassergarnele war es in alkalischerem, mineralreicherem Wasser weniger giftig [2]. Für Leitungswasser rät das Umweltbundesamt allgemein, Wasser, das vier Stunden oder länger in der Leitung stand, ablaufen zu lassen, bis es kühler aus dem Hahn kommt [13]. Wir übernehmen das als Hausregel für jeden Wasserwechsel.

Auch Fischmedikamente, Schneckenmittel und Pflanzendünger können Kupfer enthalten. Unsere Hausregel: Setze solche Mittel im Garnelenbecken nur ein, wenn der Hersteller sie ausdrücklich als garnelenverträglich und kupferfrei ausweist – und bedenke, dass das eine Herstellerangabe bleibt. Bei kranken Tieren frag eine Tierärztin, einen Tierarzt oder ein kundiges Fachgeschäft.

Was fressen Garnelen?

Garnelen fressen vor allem, was im Becken wächst: In Teichversuchen fraßen Zwerggarnelen Fadenalgen, Aufwuchs und Detritus [14].

In einem Aquakulturversuch ohne Wasserwechsel diente Biofilm auf Aufwuchsträgern als Nahrungsquelle, Überleben und Fortpflanzung waren hoch [15]; auf das Heimaquarium lässt sich das nur bedingt übertragen. Daraus folgt (Ableitung): Ein steriles, „blitzsauberes“ Becken bietet Garnelen wenig Nahrung. Gemüse allein reicht nach einem kleinen Versuch nicht: Mit gekochtem Gemüse wuchsen die Tiere, bekamen aber keinen Nachwuchs, proteinreiches Futter schnitt besser ab (96 Garnelen, nur Kurzfassung) [16].

Wie oft und wie viel du füttern solltest, ist nicht belegt. Unsere Hausregel: Füttere wenig, sodass nach einigen Stunden nichts mehr übrig ist. Futterreste belasten das Wasser. Mehr zur Fütterung im Ratgeber Fische füttern.

Häutung und Nachwuchs

Garnelen häuten sich regelmäßig; bei Kirschgarnelen wurde bei 23 °C etwa alle 10 Tage eine Häutung beobachtet (adulte Männchen, nur Kurzfassung eines Konferenzbeitrags) [17].

Bei Kirschgarnelen tragen die Weibchen die Eier unter dem Hinterleib, bis fertig entwickelte Jungtiere schlüpfen; ein frei schwimmendes Larvenstadium gibt es nicht [3] [4]. Deshalb können sie sich im normalen Süßwasseraquarium vermehren.

Anders die Amano-Garnele: Deren Larven passten sich in Laborversuchen an Salzgehalte von 17 bis 34 ppt an [5], eine Masterarbeit fand die beste Überlebensrate bei 34 ppt, also etwa Meerwasser-Salzgehalt [18]. Dass sie im Süßwasserbecken nicht aufkommen, ist eine Ableitung daraus – einen Versuch in reinem Süßwasser gibt es nicht.

Garnelen mit Fischen?

Ob Garnelen mit Fischen zusammenpassen, hängt von den Fischen ab; belastbare Studien zu Artenkombinationen fehlen.

Aus der Praxis, nicht belegt: Viele Fische fressen Jungtiere oder kleine Garnelen, die in ihr Maul passen. Plane das ein, wenn du Fische und Garnelen zusammen halten möchtest.

Unsere Hausregel: Wähle nur friedliche, kleine Fischarten und biete von Anfang an viele Verstecke – dichte Pflanzen, Hohlräume unter Wurzeln und Moospolster, in die sich tragende Weibchen und Jungtiere zurückziehen können. Eine verbindliche Artenliste gibt es nicht; allgemeine Hinweise findest du im Ratgeber Welche Fische passen zusammen?.

Niemals aussetzen

Garnelen, Fische und Pflanzen aus dem Aquarium dürfen niemals in die Natur ausgesetzt werden.

Verwilderte Kirschgarnelen leben bereits in europäischen Gewässern, meist in ungewöhnlich warmem Wasser: in einem erwärmten Kanal der Oder in Polen [6], bei Montpellier in Frankreich [7] und laut einer US-Behörde in weiteren europäischen Ländern [8]. Dort tauschen sie Parasiten mit heimischen Krebstieren aus [7] und beeinflussen durch Fraß andere Kleintiere [8].

In Deutschland verbietet das Tierschutzgesetz, ein Tier auszusetzen, um sich seiner zu entledigen [19]. Wenn du zu viele Garnelen hast oder das Hobby aufgibst, gib die Tiere ab – etwa an einen Aquarienverein, ein Tierheim oder ein Fachgeschäft. Mehr dazu im Ratgeber Aquarium-Besatz.

Weitere Fragen

Wie viele Garnelen passen in ein Aquarium?

Dafür gibt es keine belegten Zahlen; das deutsche Gutachten zur Zierfischhaltung und die österreichische Tierhaltungsverordnung regeln Wirbellose nicht [20] [21]. Unsere Hausregel: Achte statt auf eine Zahl pro Liter auf viele Pflanzen, Verstecke und gute Wasserwerte.

Brauchen Garnelen einen Heizstab?

Kirschgarnelen vermehrten sich in Laborstudien bei 24 bis 28 °C [4] [11]. Ein belegter Mindestwert fehlt; ob Zimmertemperatur reicht, hängt vom Raum ab.

Ist Gurke gut für Garnelen?

Gurke selbst wurde nicht untersucht. In einem kleinen Versuch (96 Garnelen, nur Kurzfassung) wuchsen die Tiere mit gekochtem Gemüse, bekamen aber keinen Nachwuchs [16]. Gemüse ist deshalb höchstens eine Ergänzung; dass es als Futter reicht, ist nicht belegt.

Quellen

  1. Conway Holroyd S, Spicer JI, Ellis RP, Turner LM. An ecophysiological approach to improving health outcomes of ornamental shrimp during aquarium trade and transportation. Conservation Physiology 2026;14(1):coag046.
  2. Daly HR, Campbell IC, Hart BT. Copper toxicity to Paratya australiensis: II. Influence of bicarbonate and ionic strength. Environmental Toxicology and Chemistry 1990;9(8):1007-1011.
  3. Tropea C, López Greco LS. Female Growth and Offspring Quality over Successive Spawnings in a Caridean Shrimp Neocaridina davidi (Decapoda, Atyidae) with Direct Development. Biological Bulletin 2015;229(3):243-254.
  4. Baliña S, Temperoni B, López Greco LS, Tropea C. Losing Reproduction: Effect of High Temperature on Female Biochemical Composition and Egg Quality in a Freshwater Crustacean with Direct Development, the Red Cherry Shrimp, Neocaridina davidi. Biological Bulletin 2018;234(3):139-151.
  5. Kondo S, Hamasaki K, Dan S. Larval performance of three amphidromous shrimp species in the genus Caridina (Decapoda: Caridea: Atyidae) under different temperature and salinity conditions. Crustacean Research 2021;50:41-54.
  6. Jabłońska A, Mamos T, Gruszka P, Szlauer-Łukaszewska A, Grabowski M. First record and DNA barcodes of the aquarium shrimp, Neocaridina davidi, in Central Europe from thermally polluted River Oder canal, Poland. Knowledge & Management of Aquatic Ecosystems 2018;419:14.
  7. Prati S, Reyes Camargo AC, Jamonneau T, Ben Halima I, Sures B. Seasonal exchange of microsporidian parasites between native and non-native pet-traded freshwater crustaceans: Is parasite spillover favored over spillback? Parasite 2025;32:61.
  8. U.S. Fish and Wildlife Service: Ecological Risk Screening Summary, Cherry Shrimp (Neocaridina davidi), High Risk, Juni 2025.
  9. Yang M, Cui X, Li X, Dong D, Kang X, Gan Z. Integrative Taxonomy Reveals New Insights into the Species Validity of the Neocaridina davidi-N. denticulata-N. heteropoda Complex and Mitogenomic Phylogeny of Caridean Shrimps. Current Issues in Molecular Biology 2024;46(11):12279-12298.
  10. GBIF Secretariat: Caridina cantonensis Yü, 1938 (Taxon-ID 5863061). GBIF Backbone Taxonomy.
  11. Tropea C, Stumpf L, López Greco LS. Effect of Temperature on Biochemical Composition, Growth and Reproduction of the Ornamental Red Cherry Shrimp Neocaridina heteropoda heteropoda (Decapoda, Caridea). PLoS ONE 2015;10(3):e0119468.
  12. Camargo JA, Alonso A, Salamanca A. Nitrate toxicity to aquatic animals: a review with new data for freshwater invertebrates. Chemosphere. 2005;58(9):1255-1267.
  13. Umweltbundesamt. Trinkwasser-Installation: Auf die letzten Meter kommt es an. 09.06.2020.
  14. Chun SJ, Cui Y, Kim J, Roh D, Kim J, Park S, Lee JW, Nam KH. Freshwater shrimp (Neocaridina denticulata) as a nature-based restoration tool for macrophyte recovery and improved water quality in eutrophic ponds. Journal of Environmental Management 2025;394:127372.
  15. Viau VE, Marciano A, Iriel A, López Greco LS. A study of a biofilm-based zero-water-exchange culture system and its effects on water quality, survival and growth of Neocaridina heteropoda heteropoda shrimp. Aquaculture Research 2016;47(8):2528-2542.
  16. Ribeiro K, Silva MRF, Frutuoso EMB, de Faria PMC. Evaluation of the Reproduction of Neocaridina davidi Fed with Practical and Commercial Feeds. World Aquaculture Society, Meeting Abstracts (Jahr nicht angegeben).
  17. Kelleher JM, Mykles DL. Characterization of the molt cycle of the cherry shrimp, Neocaridina davidi. Society for Integrative and Comparative Biology (SICB) Annual Meeting, Januar 2019 (Abstract).
  18. Lee H-W. Larviculture of Caridina multidentata (Atyidae, Decapoda) (大和米蝦幼生人工養殖之研究). Master’s thesis, Institute of Fisheries Science, National Taiwan University, 2009.
  19. Tierschutzgesetz (TierSchG), §§ 2 und 3
  20. Sachverständigengruppe (BMELF): Gutachten Zierfische (Süßwasser), Spezieller Teil: Handelsrelevante Arten (Tabelle), Stand 30.12.1998, online BMLEH
  21. Österreich: 2. Tierhaltungsverordnung, BGBl. II Nr. 486/2004 idF BGBl. II Nr. 68/2017, Anlage 5 Mindestanforderungen an die Haltung von Fischen (konsolidiert, Stand 14.11.2017)