Kann man Kampffische im Glas halten?
Nein, ein Kampffisch (Betta splendens) gehört nicht in ein Glas oder eine Vase. Das deutsche Fachgutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen nennt für die Art eine Kantenlänge von mindestens 60 cm, was einem Standardbecken von rund 54 Litern entspricht [1] [2]. In Österreich ist das verbindlich geregelt: Die dauerhafte Haltung von Fischen in Aquarien unter 54 Litern ist verboten [3].
| Quelle | Aussage |
|---|---|
| Fachgutachten Deutschland (1998) | mindestens 60 cm Kantenlänge (rund 54 l), 24–30 °C |
| Österreich, 2. Tierhaltungsverordnung | dauerhafte Fischhaltung unter 54 l verboten |
| Oldfield & Murphy 2024 (8 bzw. 16 Männchen, ohne Filter) | im 0,5-l-Glas deutlich weniger Schwimmen; volles Schwimmverhalten ab etwa 10 l |
| Clark-Shen et al. 2024 (13 Männchen) | im eingerichteten 19,3-l-Becken mehr Schwimmen als im 1,5-l-Glas; für den Verkauf mindestens 5,6 l, zu Hause größer |
| Aquamici-Hausregel | ab 54 l mit Heizung, Filter und Pflanzen – Glas und Vase nie |
Das deutsche Gutachten ist kein Gesetz, aber der fachliche Maßstab; es wird derzeit überarbeitet. Die Studien sind klein und kurz und messen Verhalten, keine Langzeithaltung. Quellen: [1] [2] [3] [4] [5]
Verhaltensstudien aus dem Jahr 2024 zeigen, dass sehr kleine Behälter das Verhalten einschränken. Bei Oldfield und Murphy (8 beziehungsweise 16 Männchen, ohne Filter) schwammen Männchen in 0,5-Liter-Gläsern deutlich weniger; volles Schwimmverhalten zeigten sie ab etwa 10 Litern [5]. Clark-Shen und Kollegen (13 Männchen) beobachteten im eingerichteten 19,3-Liter-Becken mehr Schwimmen als im 1,5-Liter-Glas und empfehlen für den Verkauf mindestens 5,6 Liter, für zu Hause mehr [4]. Die Quellen nennen also eine Spanne: Die Studien setzen ihre Untergrenzen beim Verhalten an (rund 5,6 bis 10 Liter), Gutachten und österreichisches Gesetz bei 54 Litern.
Unsere Hausregel lautet: Ein Aquarium für Kampffische sollte ab 54 Liter fassen. In einem größeren Wasservolumen verdünnen sich Abfallstoffe besser als in einem kleinen Gefäß, und Temperatur und Wasserwerte schwanken weniger. Dazu gehören eine Heizung und ein Filter. Diese Regel leitet sich aus dem Gutachten (24–30 °C, Technik zur Wasserqualität bei Bedarf) [1] [2] und den Grundlagen der Wasserqualität ab; die Betta-Verhaltensstudien haben das nicht untersucht.
So richtest du ein Kampffisch-Becken ein
Das Gutachten nennt für den Kampffisch eine Wassertemperatur von 24 bis 30 °C [2]. In Wohnräumen brauchst du dafür eine zuverlässige Heizung.
Wichtig sind außerdem Pflanzen und Verstecke. In einem leeren Becken zeigten Kampffische mehr abnormes Verhalten, Einrichtung erhöhte die Schwimmaktivität [4] [5]. In einem Wahltest (10 Männchen, 10 Weibchen) bevorzugten Kampffische Umgebungen mit natürlichen Pflanzen [6]. Richte das Becken also so ein, dass der Fisch dichte Rückzugsorte findet und trotzdem Raum zum Schwimmen hat. Detaillierte Schritte findest du in der Anleitung Aquarium einrichten.
Kampffische atmen mit ihrem Labyrinthorgan zusätzlich Luft an der Wasseroberfläche [12]. Wie wichtig dieser Zugang ist, zeigt eine Studie zum Drohverhalten: Wenn Männchen drohen, steigt ihr Sauerstoffbedarf, und diesen Mehrbedarf deckten sie fast ausschließlich über Luftatmung [7]. Die Wasseroberfläche muss daher frei zugänglich bleiben und darf nicht komplett von Schwimmpflanzen bedeckt sein.
Zwei weitere Hausregeln, die nicht durch Studien belegt sind: Decke das Aquarium ab, lass dabei aber einen Spalt zur Luft. Und stell die Filterströmung sanft ein. Vor dem Einsetzen des Fisches muss das Aquarium den Stickstoffkreislauf durchlaufen – mehr dazu unter Aquarium einfahren.
Was stresst einen Kampffisch?
Ein Rivale oder das eigene Spiegelbild lösen beim Kampffisch-Männchen Drohverhalten aus, das sogenannte Flaring. Dabei spreizt der Fisch die Kiemendeckel ab und stellt die Flossen auf. In einer Studie stiegen nach einer solchen Konfrontation Cortisol und Androgene im Blut, beim Spiegelbild ähnlich wie bei einem echten Gegner; echte Rivalen lösten mehr Bissversuche aus [8]. Auch in einer weiteren Studie reagierten Männchen auf Spiegel und Rivalen ähnlich aggressiv [9].
Im Handel werden gelegentlich kleine Spiegel zur Beschäftigung angeboten. Ob ein Spiegel als Beschäftigung taugt, ist nicht belegt; die Studien messen nur die akute Reaktion. Wegen des gemessenen Hormonanstiegs empfehlen wir Spiegel nicht.
Ein weiterer Stressor ist schlechte Wasserqualität. Sie gilt bei Fischen allgemein als wichtiger Risikofaktor für Erkrankungen [10] [11]. Wenn Futterreste verrotten oder die biologische Filterung noch nicht richtig arbeitet, können Ammonium und Nitrit ansteigen. Regelmäßige Kontrolle der Werte und Wasserwechsel helfen, das zu vermeiden. Intervalle und Methoden erklärt der Ratgeber Wasserwechsel im Aquarium.
Welche Mitbewohner passen?
Belegt ist nur eine Regel: Halte nie zwei Kampffisch-Männchen zusammen in einem Aquarium [5]. Selbst in Versuchsbecken mit 208 bis 378 Litern war ein friedliches Zusammenleben zweier Männchen nicht gesichert (16 Männchen, 64 Paarversuche) [5]. Das Gutachten vermerkt für die Art eine artspezifische Aggressivität [2].
Für andere Fischarten, Garnelen oder Schnecken als Mitbewohner gibt es keine belastbaren Studien oder Behördenangaben. Die Verträglichkeit mit anderen Arten ist nicht belegt.
Statt einer Liste nennen wir dir Prüfkriterien. Ein möglicher Mitbewohner muss in den Temperaturbereich passen, den das Gutachten für den Kampffisch nennt (24–30 °C), und ähnliche Wasserwerte brauchen [2]. Er sollte ruhig sein und nicht an Flossen zupfen; das ist ein Hinweis aus der Hobbyliteratur, nicht belegt. Das Becken muss genug Platz und Verstecke bieten.
Ein Beispiel ist der Molly: Eine Studie zur gemeinsamen Haltung gibt es nicht. Das Gutachten nennt für den Black Molly 25–30 °C und für den Kampffisch 24–30 °C [2]; ein geprüfter Vergleich von pH-Wert und Härte liegt uns hier nicht vor. Das ist keine Empfehlung, beide Arten zusammen zu halten.
Auch die Haltung von Weibchengruppen ist nicht belegt; wir empfehlen sie nicht. Unsere Hausregel: Das Männchen lebt allein im Becken. Allgemeine Hinweise zur Besatzplanung findest du unter Welche Fische passen zusammen?.
Was frisst ein Kampffisch?
In der Natur frisst der Siamesische Kampffisch vor allem Insektenlarven und Zooplankton [12]. Was er „am liebsten“ frisst, ist nicht belegt.
Wichtiger ist die richtige Menge. Die österreichische Tierhaltungsverordnung schreibt vor, nur so viel Futter zu geben, wie sofort gefressen wird [3]; das deutsche Gutachten weist darauf hin, dass Fische im Aquarium eher zu viel Futter bekommen [1].
Futter, das ungefressen zu Boden sinkt, wird von Bakterien zersetzt und belastet den Stickstoffkreislauf; Ammonium und Nitrit können ansteigen. Unsere Hausregel: Beobachte deinen Kampffisch beim Fressen und gib wenige kleine Portionen, die er zügig aufnimmt. Mehr dazu unter Fische richtig füttern.
Ist ein Kampffisch leicht zu halten – und wie lange lebt er?
Dass Kampffische leicht zu halten sind, ist nicht belegt. Sie brauchen die gleiche Grundpflege wie andere tropische Zierfische: ein eingefahrenes, ausreichend großes Becken, eine Temperatur von 24 bis 30 °C [2] und regelmäßige Wasserwechsel. Dass sie Luft atmen können, macht sie nicht anspruchslos. Ein häufiger Fehler ist die Haltung in kleinen, kahlen Behältern (siehe den ersten Abschnitt) [4].
Zur Lebensdauer gibt es nur Hinweise: Datenbanken nennen für den Kampffisch etwa zwei Jahre als Höchstalter [12] [13]. Belastbare Angaben für gut gepflegte Aquarientiere fehlen; höhere Angaben aus Handel und Foren sind nicht belegt.
Wie schläft ein Kampffisch? Kampffische zeigen Ruhephasen. Wie der Schlaf genau abläuft, ist nicht belegt, deshalb machen wir dazu keine weiteren Aussagen.
Fallen dir an deinem Fisch Veränderungen auf, etwa ausgefranste Flossen [10] oder ungewohnte Teilnahmslosigkeit, behandle nicht auf eigene Faust. Wende dich an eine Tierärztin oder einen Tierarzt mit Fischerfahrung. Allgemeine Hinweise findest du im Beitrag Fischkrankheiten erkennen.
Weitere Fragen
Darf ein Kampffisch in eine Vase mit Pflanze?
Nein. Eine Vase ist viel zu klein und bietet keinen Platz für Heizung und Filter. Das deutsche Fachgutachten nennt für Kampffische mindestens 60 Zentimeter Kantenlänge, was etwa 54 Litern entspricht [1] [2]. In einem so kleinen Gefäß lassen sich Temperatur und Wasserqualität kaum stabil halten.
Können zwei Kampffisch-Männchen zusammen leben?
Nein. In einer Verhaltensstudie mit 16 Männchen war ein friedliches Zusammenleben zweier Männchen selbst in Becken mit mehreren hundert Litern nicht sichergestellt [5]. Das Gutachten vermerkt für die Art eine artspezifische Aggressivität [2].
Was ist Haremshaltung?
Haremshaltung bedeutet ein Männchen mit mehreren Weibchen in einem Becken. Das deutsche Gutachten und die österreichische Verordnung führen diese Haltungsform in ihren Tabellen auf [2] [3]. Belege für ein dauerhaft friedliches Zusammenleben haben wir nicht gefunden; wir empfehlen die Haremshaltung deshalb nicht.
Quellen
- Sachverständigengruppe (BMELF): Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen (Süßwasser), Allgemeiner Teil, Stand 30.12.1998
- Sachverständigengruppe (BMELF): Gutachten Zierfische (Süßwasser), Spezieller Teil: Handelsrelevante Arten (Tabelle), Stand 30.12.1998, online BMLEH
- Österreich: 2. Tierhaltungsverordnung, BGBl. II Nr. 486/2004 idF BGBl. II Nr. 68/2017, Anlage 5 Mindestanforderungen an die Haltung von Fischen (konsolidiert, Stand 14.11.2017)
- Clark-Shen N, Tariel-Adam J, Gajanur A, Brown C. Life beyond a jar: Effects of tank size and furnishings on the behaviour and welfare of Siamese fighting fish (Betta splendens). Animal Welfare 2024;33:e62
- Oldfield RG, Murphy EK. Life in a fishbowl: Space and environmental enrichment affect behaviour of Betta splendens. Animal Welfare 2024;33:e1
- Bender M, Oliveira dos Santos Neves N, Regina Delziovo F, Stockhausen L, Serzedello L, de Souza Gasparotto M, Cipriani LA, Ha N, Bicalho JP, Fabregat TEHP. Environmental enrichment with aquatic plants: Impact of the environment of choice on performance of bettas. J Appl Anim Welf Sci 2025;28(4):740-749
- Alton LA, Portugal SJ, White CR. Balancing the competing requirements of air-breathing and display behaviour during male-male interactions in Siamese fighting fish Betta splendens. Comp Biochem Physiol A Mol Integr Physiol 2013;164(2):363-367
- Ramos A, Alex D, Cardoso SD, Gonçalves D. Androgens and corticosteroids increase in response to mirror images and interacting conspecifics in males of the Siamese fighting fish Betta splendens. Horm Behav 2021;132:104991
- Ramos A, Gonçalves D. Artificial selection for male winners in the Siamese fighting fish Betta splendens correlates with high female aggression. Front Zool 2019;16:34
- Francis-Floyd R, Petty BD (University of Florida). Disorders and Diseases of Fish. MSD Veterinary Manual, Pet Owner Version, full review 02/2020, last update 04/2026
- Petty BD, Francis-Floyd R, Yanong RPE (University of Florida). Bacterial Diseases of Fish. MSD Veterinary Manual, Exotic and Laboratory Animals, aquarium fish, full review 05/2022, last update 09/2024
- FishBase: Betta splendens Regan, 1910 – Siamese fighting fish
- AnAge database (Human Ageing Genomic Resources): Betta splendens, maximum longevity entry